Gummifische

Das Angeln mit Twistern oder Shads ist zwar nicht so furchtbar schwierig, aber man muss es schon ein wenig üben, damit das notwendige Fingerspitzengefühl erwirbt. Das alles wird natürlich viel leichter, wenn man ein paar Fehler, die vermeidbar sind, von Anfang an vermeidet.

Wichtig ist natürlich zunächst das richtige Gerät.

Da wäre zuallererst die richtige Angelrute auszuwählen. Vor ein paar Jahren hieß es noch, eine Rute zum Fischen mit Twistern und Shads müsste eine total sensible Rute mit einer ganz weichen Spitze sein. Also kaufte ich mir eine so genannte Twisterrute und wunderte mich, dass plötzlich nichts mehr biss. Alles Unsinn!! Eine Rute zum Twistern muss, wie jede andere Spinnrute auch, eine harte Spitze haben, nur so kann man die Köder gut werfen, effektiv führen und die Bisse entsprechend spüren. Sicher, wenn sich zufällig mal ein Fisch an einer weichen Rute “aufhängt”, fängt man den halt auch, aber mit einer harten Rute fängt man mehr. Das heißt nicht, dass sie ein Besenstiel sein soll, aber eine feste Spitze soll sie haben und genügend Rückgrat, um großen Fischen auch Paroli bieten zu können. Meine Lieblingsrute ist seit zwei Jahren eine Spinnrute von Marryat. Die hat zwar nur ein Wurfgewicht von 7 bis 28 g, aber sie steht wie eine Eins und hat Rückgrat ohne Ende. Außerdem ist sie leicht, schnell und sehr gut ausgestattet und verarbeitet. Sie hat aber zwei Nachteile: Erstens ist sie schwer zu kriegen und zweitens ist sie recht teuer (um die 300,- €). Aber es gibt auch noch eine Reihe anderer Ruten, mit denen man glücklich werden kann. Man sollte aber schon die Rute kaufen, die einem wirklich gefällt, sonst tut man es einige Zeit später und hat das Geld für zwei Ruten ausgegeben.

Auch an der Rolle sollte man nicht sparen, schließlich ist sie beim Spinnfischen ständig in Aktion. Wichtig ist vor allem ein funktionierendes Schnurlaufröllchen, das zusammen mit den SIC-Ringen an der Rute die teure geflochtene Schnur optimal schützt. Gut laufen muss die Rolle natürlich auch. (Meine Rolle: Shimano Twinpower 3000 F, eine Sahara tut´s aber auch!)

Ihr habt es ja schon gelesen, ich fische eine geflochtene Schnur. Mittlerweile habe ich eine Reihe von schnüren ausprobiert. Jede Schnur, die ich in meinem Shop anbiete, hat Vor- und Nachteile. Wenn es nur nach Qualitätsgesichtspuinkten geht, müsste ich wohl die Stroft GTP oder die Leitner DynaCast empfehlen. Aber die sind halt sehr teuer. Billigere Schnüre wie Tuf Line XP tun es auch.

Ja und dann kommt da noch das Stahlvorfach. Ich baue mir meine Vorfächer selbst, weil ich den gekauften nicht traue und mir so auch die Wirbel aussuchen kann. Ich kaufe Stahlvorfach als Meterware. Gängige Größen sind 5 oder 10m-Spueln, es gibt aber auch 100m-Spulen oder für völlig verrückte auch 1.000m-Spulen. Ich nehme seit einiger Zeit nur noch 49-fädiges Stahlvorfach. Das ist zwar etwas teurer als 7-Strand,  hält aber viel länger, weil es nur sehr schwer verknickt. Letztlich ist es dann doch billiger. Zum Befestigen des Wirbels und des Karabiners benutze ich einen Twizzle-Stick. Wie das funktioniert, habe ich auf der Stahlvorfachseite beschrieben.

Nun aber zu den Gummis

Wenn man die Gummis gekauft hat, sollte man sie sich erstmal ansehen. Sind sie von der Lagerung verknickt, sollte man sie vor dem Angeln kurz kochen. Normalerweise glätten sie sich dann wieder. Außerdem werden die Gummis dadurch etwas weicher. Fragt mich nicht warum, aber es ist so. Bei billigen harten Gummis stimmt aber zumeist auch die Form nicht, so dass das Abkochen den Gummifisch auch nicht zum Laufen bringt.
Die Shads (Kopyto, Aqua, Janke, Conlay usw.) und die Twister von Relax sind übrigens so weich, dass man sie nicht zu kochen braucht, es sei denn, sie sind verknickt.

Woran erkenne ich einen guten Shad?

1. Das Material ist weich, aber trotzdem haltbar. Einen superweichen Shad, der nicht am Haken hält, kann man zwar mit Sekundenkleber sichern, aber was nutzt es, wenn er beim ersten oder zweiten Biss auseinander fällt? Außerdem kann ein superweicher Shad in strömenden Gewässern eventuell nicht genug Druck aufbauen, um die Fische neugierig zu machen.

2. Die Schaufelschwanz steht in einem Winkel von 80 bis 90° zur Körperachse.

3. Der Schaufelschwanz ist relativ groß zum übrigen Körper.

4. Der Körper hat einen mehr oder weniger dreieckigen Querschnitt, was zusammen mit dem großen Schaufelschwanz dazu führt, dass sich der ganze Körper nach rechts und links bewegt, wie bei einem Wobbler. Bei mehrfarbigen Shads kommt es dadurch zu interessanten “Flash-Effekten”, die die Raubfische zusätzlich reizen.

5. Nicht zuletzt ist ein guter Shad auch gut verarbeitet. Insbesondere sollte man darauf achten, dass die Gussgrate gerade verlaufen. Einen Shad, der schon schief gegossen wurde, kann niemand mehr gerade aufziehen

Woran erkenne ich einen guten Twister?

Bei einem guten Twister ist der Schwanz vor allem breit und lang. Wobei die Länge gar nichts nützt, wenn er nicht breit genug ist, denn dadurch und durch die Biegung des Schwanzes entsteht letztlich der Wasserwiderstand und die Aktion des Twisters. Bei einem guten Twister bildet der Schwanz fast einen Kreis. Weich und gut verarbeitet muss er natürlich auch sein.

Wie ziehe ich einen Shad richtig auf den Haken?

Der Haken sollte zunächst so groß sein, dass der Hakenschenkel kurz vor der Stelle wieder aus dem Gummi austritt, wo der Shad sich richtig bewegt. Ein zu großer Haken verdirbt die Aktion, ein zu kleiner Haken verursacht Fehlbisse. Hier muss man entweder den Haken im Geschäft anhalten oder jemanden um Rat fragen. Sollte der Haken etwas zu kurz sein, kann man auch etwas vom Kopf des Shads abschneiden. Das soll außerdem auch für mehr Druckwellen im Wasser sorgen und man trifft mit dem Haken leichter die Mitte des Gummis. Deshalb schneide ich bei jedem Shad vor dem Aufziehen vorn ein wenig ab.

Der Shad sollte natürlich so aufgezogen werden, dass der Haken von oben aus gesehen mittig durch den Shad läuft. Bei Verwendung der VMC-Babarian- Haken sollte der Hakenschenkel so tief verlaufen, dass der Austritt des Hakens im Knick des Schenkels liegt und der Schenkel fast parallel zum Rücken verläuft. Die Austrittsstelle des Hakens kann man sich vorher mit einem Stift markieren (Foto 3). Auf dem zweiten Foto sieht man sehr schön, welchen Vorteil die unsymmetrischen VMC-Haken gegenüber solchen haben, bei denen der Hakenbogen gleichmäßig geformt ist. Der Haken tritt genau im Knick aus dem Gummi aus und hält den Shad optimal. Da der Knick näher am Schenkel liegt, guckt die Hakenspitze weiter aus dem Gummi heraus als bei einem gleich großen eckigen Haken anderer Hersteller.

Auf dem vorletzten Foto ist bei den beiden Pfeilen zu erkennen, wo noch ein bisschen nachgearbeitet werden muss:
An der Stelle, wo der Haken aus dem Shad austritt, ist eine kleine Wulst entstanden Einfach den Shad vorn festhalten und nach hinten ziehen. Das Austrittsloch wird dann zwar etwas größer, das macht aber nichts.
Der zweite Pfeil am Bleikopf zeigt auf eine Stelle, wo das Gummi wegen der Form des Bleikopfes nicht ganz bündig am Blei sitzt. Hier kann man einfach mit der Schere ein kleines Stück Gummi von schräg unten wegschneiden, damit es sich besser an die Form des Bleis anpasst.

Auf dem letzten Foto sieht man sehr gut die Gussnaht des Gummis. Der Haken läuft ziemlich genau darunter. So soll es sein. Dieses Gummi läuft bestimmt einwandfrei!!

Das ganze braucht ein bisschen Übung und Geduld. Wenn der erste Haken schief sitzt, ziehen Sie ihn wieder raus und probieren sie es noch einmal. So ca. drei Versuche kann man schon wagen, zumal ich mittlerweile alle Gummis einklebe.

In diesem Zusammenhang ein paar Worte zum Einkleben der Haken bzw. der Gummis: Bei einem meiner letzten Schwedenangeln im September 02 hatten wir sehr viele Barschbisse (über 200 gute Barsche haben wir gefangen). Die kleinen Barsche zuppelten oft nur am Schwanz der Gummis. Ein kleiner Anschlag und das Gummi ist vom Haken runtergerutscht. Ich habe mir jetzt angewöhnt, die Gummis immer mit einem Tropfen Sekundenkleber zu sichern. Dazu zieht man das Gummi ganz normal auf und überprüft den Sitz. Wenn alles ordentlich sitzt, das Gummi einen halben Zentimeter zurückschieben, einen Tropfen (wirklich nur höchstens einen!) auf die Verdickung des Bleis geben und das Gummi wieder zurecht schieben. Das Gummi hält zig Barschbisse aus, ohne zu verrutschen.

Auch wenn das Gummi mal eingerissen ist, kann man es mit etwas Sekundenkleber wieder flicken. Also nicht gleich wegschmeißen, aber auf die Finger aufpassen!!!

Die Größe des Bleikopfes hängt letztlich vom Gewässer ab, in dem man fischt. Je schneller die Strömung und je tiefer desto schwerer muss das Blei sein. Hier hilft nur Versuch und Irrtum oder einen Angelkollegen fragen oder beobachten.

Wie ziehe ich einen Twister richtig auf?

Ähnlich wie beim Shad, von oben gesehen wird der Haken möglichst mittig durchgeführt. Von der Seite gesehen verläuft der Haken eher etwas weiter oben, damit die Hakenspitze möglichst weit aus dem Twister herausschaut. Ob der Schwanz nach oben oder unten zeigt, ist wohl Geschmacksache. Ich ziehe ihn immer so auf, dass er nach oben zeigt. Man kann natürlich auch beim Twister vorn ein Stück abschneiden, damit der Haken besser passt und mehr Druck erzeugt wird.

Wie führe ich einen Shad oder Twister?

Zunächst sollte man an kurzer Schnur beobachten, bei welcher Geschwindigkeit der Shad gut läuft und ob er auch beim Absinken Aktion zeigt. Hat man sich diese “Arbeitsgeschwindigkeit” eingeprägt und spürt man den Shad auch in der Rutenspitze arbeiten, kann man anfangen zu angeln. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, den Shad zu führen. Erstens, man macht mehr oder weniger pilkende Bewegungen, d.h. man lässt das Gummi zum Grund sinken und reißt es dann die Rute wieder hoch und lässt wieder absinken. So habe ich auch angefangen. Mittlerweile halte ich von dieser Methode nichts mehr. Man sollte sich mal überlegen welche Bewegung das Gummi macht. Es liegt auf dem Grund. Dann reiße ich die Rute hoch, weil ich meine, das Gummi müsste genau so hoch vom Grund weghüpfen. Kann es aber gar nicht. Wenn das Gewässer nicht gerade so tief ist wie ein norwegischer Fjord, ziehe ich das Gummi nur sehr schnell über den Grund. Bestenfalls ein kleiner Hopser ist möglich. Die meisten Bisse bei dieser Angelart kommen, wenn der Körper zu Grund sinkt oder dort liegt. Logisch, ansonsten hat der Raubfisch ja auch kaum eine Chance das Ding zu kriegen. Außerdem kriegt man viele viele Hänger, was letztlich nur den Gerätehändler freut (also mich!!). Die bessere Art des Führens ist das “totkranke Fischchen”. Das heißt, den Köder auswerfen, so tief absinken lassen, wie man will, je nachdem in welcher Tiefe man die Raubfische vermutet, und dann langsam und bedächtig, aber immer noch im “Arbeitstempo” einholen. Dabei kann man ruhig mal die Geschwindigkeit variieren, auch mal zum Grund sinken lassen und dann wieder etwas schneller weiterschwimmen, aber alles halt ein bisschen mehr in Zeitlupe. Abgesehen davon, dass wir es den Räubern leichter machen, haben wir auch ständig Zug auf der Schnur, was dafür sorgt, dass man Bisse leichter erkennt und dass es keinen Schnursalat gibt. Und immer schön konzentriert bleiben. Nichts ist ärgerlicher als ein völlig verblüffter Hecht oder Zander, der sich darüber ärgert, dass der Beutefisch, den er verfolgte, plötzlich aus dem Wasser gehoben wird und verschwindet. Bei Nachläufern, die man mit einer Polarisationsbrille wirklich gut erkennen kann, zuerst schneller werden, dann plötzlich absinken lassen. Manchmal klappt es. Und dann gaaanz vorsichtig anschlagen, wenn der Meterhecht genau unter der Rutenspitze gebissen hat.

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